Bozen, Göttingen, 2. November 2026
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßt, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS) den Freiheitspreis 2026 am 7. November dem iranischen Volk widmen will. Die Entscheidung, den Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, als Vertreter des iranischen Volkes auszuzeichnen, verfehlt laut der Menschenrechtsorganisation jedoch das Ziel des Preises, diejenigen zu ehren, die im Iran für ihre Rechte, ihre Freiheit und eine offene und demokratische Gesellschaft eintreten. Auch die Aussage der FNS, dass Pahlavi den Preis nur „treuhänderisch“ entgegennehmen wird, entkräftigt die Kritik nicht.
„Reza Pahlavi den Freiheitspreis für das iranische Volk zu übergeben, ist eine totale Fehlentscheidung. Er hat sich nie eindeutig und unmissverständlich von der Diktatur und den Verbrechen seines Vaters distanziert. Zudem bleibt offen, welches politische System er nach einem möglichen Sturz des Mullah-Regimes anstrebt. Seine Äußerungen zu einer ‚säkularen Demokratie‘ beantworten diese Frage nicht ausreichend“, sagt Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV, heute in Göttingen.
„Der Iran ist ein Vielvölkerstaat, in dem neben der persischen Mehrheitsbevölkerung Angehörige vieler verschiedener Volksgruppen und Religionsgemeinschaften leben, darunter Aserbaidschaner, Kurden, Belutschen, Turkmenen, Assyrer, Armenier, arabische Ahwazis sowie Christen, Bahá’í und Zoroastrier. Das muss von allen Seiten anerkannt werden. Es gibt nicht ein homogenes „iranisches Volk““, betont Sido. Viele Angehörige der Minderheiten im Iran, die etwa die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, wollten einen demokratischen Neuanfang statt einer Rückkehr zur autoritären Herrschaft des Schah-Regimes. „Wer wie die FDP und die FNS politischen Pluralismus propagiert, muss auch die Vielfalt der Völker, Ethnien und Religionsgemeinschaften anerkennen und darf nicht alle Gemeinschaften pauschal als „iranisches Volk“ darstellen, wie es die persischen Nationalisten tun.“
„Die Friedrich-Naumann-Stiftung hätte ein wichtiges Zeichen für Vielfalt und Demokratie im Iran setzen können, indem sie den Preis an Vertreter der iranischen Minderheiten übergibt, statt an einen Mann, der reaktionäre Ideen vertritt. Sie hätte insbesondere den Einsatz der kurdischen Frauen im Iran würdigen können, die heute die Speerspitze der iranischen Freiheits- und Demokratiebewegung sind“, so der Nahostreferent.
In diesem Zusammenhang appelliert die GfbV an den FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai, der am 7. November in der Frankfurter Paulskirche die Laudatio bei der Preisverleihung halten soll, sowie an die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Reza Pahlavi in ihren Reden aufzufordern, sich unmissverständlich für einen demokratischen, föderalen Iran einzusetzen, der allen Völkern des Iran Selbstverwaltung und Autonomie garantiert.
Zudem müsse sich Pahlavi für die Gräueltaten des Schah-Regimes und des alten kaiserlichen Geheimdienstes SAVAK, für die brutale Unterdrückung der politischen Opposition, für die Folter und Morde, vor allem aber für die genozidalen Verbrechen gegen die Kurden in den 1940er Jahren und danach entschuldigen. Das Schah-Regime hatte 1946 die erste kurdische Republik (Republik Mahabad) im Iran zerstört und die Führung dieser Republik mit Unterstützung der USA und Großbritanniens hingerichtet. In der Folgezeit gab es Vertreibungen, Hinrichtungen und Verbote der kurdischen Kultur und Sprache. Ganze kurdische Gemeinschaften wurden vernichtet.