Bozen, Göttingen, 8. Oktober 2026
Die Menschenrechtsorganisationen Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und FIAN Deutschland reagieren besorgt auf die willkürliche Verhaftung von fünf Angehörigen der Maasai. Die Männer waren am Abend des 6. Oktober in Arusha, Tansania, festgenommen worden und sind mittlerweile wieder frei. Was ihnen vorgeworfen wird, ist bislang nicht bekannt. Sie waren unter einem Vorwand in ein Krankenhaus gelockt und dort von der Polizei verhaftet worden.
Die Festnahmen reihen sich in eine anhaltende Welle willkürlicher Verhaftungen, Inhaftierungen und Hausdurchsuchungen ein, die sich gegen Maasai-Aktivisten und Angehörige der Maasai richten. In den vergangenen Monaten hat die Kriminalisierung der Maasai ein bislang nicht erreichtes Ausmaß angenommen. Seit August wurden allein im Distrikt Ngorongoro mehr als 30 Menschen festgenommen. In Loliondo haben zudem die Beschlagnahmung von Vieh und gezielte Übergriffe auf Einzelpersonen zugenommen.
Die Maasai International Solidarity Alliance (MISA), zu der auch die GfbV gehört, hatte nach den Festnahmen dazu aufgerufen, sich solidarisch mit den Maasai zu zeigen und sich gegen alle Formen der Diskriminierung und Repression durch die tansanischen Behörden zu stellen. Die GfbV und FIAN fordern das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Tansania auf, sich für eine unverzügliche Aufklärung der Umstände der Festnahmen einzusetzen. Zugleich müssen Deutschland und das BMZ ihre finanzielle Unterstützung für Naturschutzprojekte in Tansania – wie von der GfbV, FIAN und MISA bereits mehrfach gefordert – aussetzen, solange es zu systematischen Menschenrechtsverletzungen gegenüber Maasai kommt und die Rechte der betroffenen Gemeinschaften nicht wirksam geschützt werden.
Die aktuellen Festnahmen erfolgten während der 153. Versammlung der Interparlamentarischen Union (IPU), die vom 5. bis 9. Oktober in Arusha stattfindet. Parlamentarier aus aller Welt sind dort unter dem Motto „Stärkung guter Regierungsführung und Stärkung der Gemeinschaften durch Inklusion, Vertrauen und Chancen für alle“ zusammengekommen. Die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Maasai stehen in eklatantem Widerspruch zu diesem Anspruch. Die Bundestagsabgeordneten Katrin Fey, Dr. Lena Gumnior, Dr. Rolf Mützenich und Claudia Roth, die als Mitglieder der deutschen Delegation vor Ort in Arusha sind, hatten die sofortige Freilassung der Inhaftierten gefordert.