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GfbV fordert EU-Sanktionen und Aufklärung wirtschaftlicher Verflechtungen

Bosnien: Verbindungen zwischen Trump-Umfeld und Dodik

Bozen, Göttingen, Sarajevo, 9. Oktober 2026

1995: Der Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien, Slobodan Milosevic, der Präsident der Republik Bosnien und Herzegowina, Alija Izetbegovic, und der Präsident der Republik Kroatien, Franjo Tudjman, unterzeichnen den Entwurf des Friedensabkommens von Dayton. Foto: U.S. Air Force/Staff Sgt. Brian Schlumbohm, Public Domain

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten auf, angesichts wachsender politischer und wirtschaftlicher Verflechtungen zwischen dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump und der zu Bosnien und Herzegowina gehörenden Republika Srpska entschlossen zu handeln. Besonders brisant sind die wahlbezogene Beratung der politischen Führung der Republika Srpska durch enge politische Berater Trumps, wirtschaftliche Interessen rund um ein milliardenschweres Gasprojekt und die Aufhebung der US-Sanktionen gegen den früheren Präsidenten der RS, Milorad Dodik.

„Die Europäische Union muss aus diesen Verflechtungen Konsequenzen ziehen und ihre Politik gegenüber Bosnien und Herzegowina unabhängig von Washington gestalten“, erklärt Belma Zulčić, Direktorin der Gesellschaft für bedrohte Völker in Bosnien und Herzegowina. „Die EU darf nicht ignorieren, dass enge politische Berater Trumps für die Regierung der Republika Srpska arbeiten und Dodik Trump für den Wahlerfolg seiner Partei verantwortlich macht. Sie muss unmissverständlich klarmachen, dass die Souveränität, territoriale Integrität und verfassungsmäßige Ordnung Bosnien und Herzegowinas nicht Gegenstand politischer Deals oder wirtschaftlicher Interessen sein dürfen.“

Die GfbV fordert die EU auf, ihre eigenen politischen und wirtschaftlichen Instrumente zu nutzen, um die Souveränität, territoriale Integrität und verfassungsmäßige Ordnung Bosnien und Herzegowinas zu schützen. „Es braucht jetzt gezielte Sanktionen der EU und eine konsequente Prüfung europäischer Finanz- und Investitionsbeziehungen“, betont Zulčić.

Es dürfe nicht vergessen werden, warum Dodik und führende Vertreter seines Umfelds überhaupt mit internationalen Sanktionen und Beschränkungen belegt wurden. Die USA sanktionierten Dodik unter anderem wegen der Behinderung des Dayton-Abkommens, destabilisierender Aktivitäten und Korruptionsvorwürfen und belegten später zahlreiche Personen und Unternehmen aus seinem politischen und wirtschaftlichen Netzwerk ebenfalls mit Sanktionen. Diese US-Sanktionen wurden jedoch im Oktober 2025 aufgehoben. Auch Großbritannien, Deutschland und Österreich verhängten Sanktionen. Bislang gibt es jedoch keine EU-Sanktionen gegen Dodik oder sein Umfeld.

Sollte eine gemeinsame Entscheidung zu EU-Sanktionen gegen Dodik und sein Umfeld blockiert werden, müssen Deutschland und andere Mitgliedstaaten ihre nationalen Maßnahmen koordinieren und ausweiten. Auch europäische Finanzmittel dürfen keine Strukturen stärken, die staatliche Institutionen schwächen oder die territoriale Integrität des Landes infrage stellen. Zugleich fordert die GfbV bei großen Energie-, Infrastruktur- und Investitionsprojekten vollständige Transparenz über wirtschaftliche Eigentümer, Lobbyverträge und mögliche Interessenkonflikte.

Hintergrund
US-Medien berichten, dass Chris LaCivita, Co-Wahlkampfmanager von Trumps Präsidentschaftskampagne 2024, und James Blair, damaliger politischer Direktor der Kampagne, unmittelbar vor den Wahlen in die Republika Srpska reisten und für ihre Beratung zu Wahlfragen jeweils mehrere Hunderttausend US-Dollar erhalten haben sollen. Ihr Auftrag lief über eine Washingtoner Kanzlei, die von der Regierung der Republika Srpska engagiert worden war.

Hinzu kommen persönliche Kontakte auf höchster Ebene: Željka Cvijanović, serbisches Mitglied des Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegowina, enge politische Verbündete Milorad Dodiks und führende Vertreterin seiner Partei SNSD, traf sich im September im Weißen Haus mit Trumps Stabschefin Susie Wiles. Deren Tochter Katie Wiles hatte sich bereits im August in der Republika Srpska aufgehalten.

Auch weitere Lobby- und Geschäftsbeziehungen rücken in den Fokus. Dazu gehört die geplante Südliche Gasinterkonnektion, ein auf rund 1,7 Milliarden US-Dollar geschätztes Pipelineprojekt. Das von Joseph Flynn, dem Bruder des früheren Trump-Sicherheitsberaters Michael Flynn, und Trumps ehemaligem Anwalt Jesse Binnall geführte US-Unternehmen AAFS Infrastructure & Energy soll dabei eine zentrale Rolle übernehmen. Demokratische Mitglieder des US-Repräsentantenhauses werfen der Trump-Regierung vor, politischen Einfluss zugunsten des Unternehmens ausgeübt zu haben. Michael Flynn war 2025 zugleich als bezahlter Lobbyist für die Republika Srpska tätig.