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Stichwahl in Brasilien (30. Oktober): Bolsonaro – Eine Katastrophe für Indigene

Bozen, Göttingen, 25. Oktober 2022

Indigener Frauenmarsch in Brasilien als Widerstand gegen die repressive Politik Bolsonaros. Foto: Eliane Fernandes / GfbV.

Eine zweite Amtszeit für den amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro wäre eine Katastrophe für die indigenen Völker Brasiliens. Zu dieser Einschätzung kommt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor der Stichwahl zwischen Bolsonaro und seinem linksgerichteten Herausforderer Luís Inácio Lula da Silva am 30. Oktober. „Seit Bolsonaros Amtsantritt nahm die Gewalt gegen indigene Gemeinschaften unaufhörlich zu. Allein 2021 wurden 176 Indigene im Land ermordet. Dazu kommen Bedrohungen, Verletzungen, Rassismus und sexualisierte Gewalt“, berichtet Dr. Eliane Fernandes, GfbV-Referentin für indigene Völker. „Goldgräber, Holzfäller, von Großgrundbesitzern bezahlte Milizen sehen sich durch Bolsonaro bestärkt, Gewalttaten gegen die Indigenen und Invasionen auf ihre Territorien zu verüben.“

Früher hat die für indigene Fragen zuständige Behörde FUNAI diese Fälle untersucht und verfolgt. Sie wurde in den letzten Jahren massiv geschwächt und kann inzwischen wenig für die Indigenen Brasiliens tun. Die kürzlich gewählte Kongressabgeordnete Célia Xakriabá vom Volk der Xacriabá aus Minas Gerais betont: „Selbst diejenigen, die auf vom Staat bereits anerkannten Territorien leben, werden ständig von Goldgräbern und Landräubern bedroht – echten Kriminellen, die mit voller Rückendeckung und Ermutigung durch die Regierung Bolsonaro handeln.“

Der brasilianische Katholische Missionsrat für Indigene Interessen (CIMI) verzeichnete 355 Gewaltakte gegen indigene Völker im Jahr 2021. In diesem Jahr wird die Bilanz wohl noch schlimmer: Der September 2022 begann mit einer Eskalation der Gewalt gegen die indigene Bevölkerung Brasiliens. Innerhalb von zehn Tagen – zwischen dem 3. und 13. September – wurden in den Bundesstaaten Bahia, Mato Grosso do Sul und Maranhão sechs Indigene der Pataxó-, Guarani Kaiowá- und Guajajara-Völker ermordet, ein 15-jähriger Guarani Kaiowá beging Selbstmord.

Im Vorfeld des ersten Wahlgangs glaubten viele an einen Sieg des linken Kandidaten Lula. Am Ende lagen die beiden Favoriten sehr eng beieinander: Bolsonaro erhielt 43 Prozent der Stimmen, Lula 48 Prozent. Der rechtsextreme Präsident mobilisiert seine Anhänger vor allem mit rassistischen und homophoben Sprüchen sowie einer umwelt- und indigenenfeindlichen Politik. Lula wiederum hat weiterhin mit den Korruptionsskandalen aus seiner vorherigen Regierungszeit zu kämpfen. Der Ausgang der Stichwahl am 30. Oktober ist vollkommen offen.