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Schutz indigener Territorien braucht Präsenz vor Ort

Bolivien: Regierung will über 100 Ranger entlassen

Bozen, Göttingen, 12. September 2026

Die Chiquitano-Trockenwälder sind eine Ökoregion mit tropischen Trockenlaubwäldern in Bolivien und Brasilien. Die Ökoregion ist nach dem Volk der Chiquitano benannt, das in diesem Gebiet lebt. Foto: Sam Beebe, CC BY 2.0

Die bolivianische Regierung stellt im Zuge einer Neuorganisation des staatlichen Schutzgebietsdienstes SERNAP die Stellen von 143 Rangerinnen und Rangern infrage. Die Beschäftigten wurden aufgefordert, ihre Stellen für die Umstrukturierung freizugeben. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor den Folgen für den Schutz der artenreichen Wälder und die Indigenen Völker, deren Territorien sich mit staatlichen Schutzgebieten überschneiden.

„Ranger sind für den Schutz indigener Gebiete unerlässlich. Sie sind in abgelegenen Gebieten präsent, dokumentieren illegale Aktivitäten, melden Brände und verteidigen Schutzgebiete gegen ihre Zerstörung“, erklärt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der GfbV. „Ihr Wissen über die Gebiete, ihre langjährige Erfahrung und ihre Verbindung zu den Menschen vor Ort sind nicht ersetzbar. Indem der bolivianische Staat diese Menschen aus ihren Arbeitsverhältnissen drängt, schwächt er wissentlich eine wichtige Schutzstruktur für indigene Gemeinschaften.“

Rund 200.000 Menschen leben innerhalb der staatlichen Schutzgebiete Boliviens. 14 offiziell anerkannte indigene Territorien überschneiden sich mit dem Schutzgebietssystem. Dort stellen die Ranger eine wichtige Ergänzung zur territorialen Selbstverwaltung dar. Im TIPNIS, der zugleich Nationalpark und indigenes Territorium ist, sowie im Madidi-Nationalpark arbeiten SERNAP und indigene Organisationen beim Schutz und Monitoring zusammen. Im Madidi wurden erst im Juli gemeinsame Schutzstrukturen gegen illegale Aktivitäten, insbesondere Bergbau, vereinbart.

Von landesweit rund 300 Rangern stehen lediglich 143 in regulären staatlichen Arbeitsverhältnissen mit Sozialleistungen. Genau sie könnten nun ihren Arbeitsplatz verlieren. Die aktuelle Unsicherheit fällt in eine institutionelle Übergangsphase: Die Regierung hat das bisherige Umweltressort neu organisiert und in ein Ministerium für Produktion, nachhaltige Entwicklung, Umwelt und Wasser integriert, dem nun auch SERNEP unterstellt ist.

„Wenn der bolivianische Staat weniger Ranger in den Schutzgebieten einsetzt, beeinträchtigt das die Möglichkeiten indigener Gemeinschaften, sich gegen illegale Eingriffe in ihre Territorien zu wehren“, so Königshausen. „Für Indigene Völker ist der Schutz der Wälder unmittelbar mit dem Schutz ihrer Territorien, Lebensgrundlagen und Selbstbestimmung verbunden.“

Auch Deutschland investiert in den Schutz der bolivianischen Amazonasregion. Der von der KfW im Auftrag der Bundesregierung aufgebaute Legacy Landscapes Fund stellt dem Madidi-Nationalpark mindestens 15 Jahre lang jährlich eine Million US-Dollar für Schutz und Management zur Verfügung. Zusätzlich hat Deutschland 15 Millionen Euro für den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der bolivianischen Amazonasregion zugesagt. Bolivien verzeichnete 2025 weltweit den zweithöchsten Verlust an tropischem Primärwald.

„Wenn Deutschland langfristig in den Schutz dieser Ökosysteme investiert, muss auch sichergestellt sein, dass vor Ort die staatlichen Strukturen und das Personal vorhanden sind, um diesen Schutz umzusetzen“, erklärt Königshausen. Die GfbV fordert die bolivianische Regierung auf, die Rangerstellen zu sichern und die Schutzgebiete dauerhaft mit ausreichend Personal, Ausrüstung und finanziellen Mitteln auszustatten.