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Islamistische Gewalt in Syrien – Yeziden im Nordirak in großer Angst vor neuen Angriffen

Bozen, Göttingen, 21. Januar 2026

Zerstörter yezidischer Friedhof im Nordirak. Foto: Prof. Dr. Jan Ilhan Kizilhan / GfbV

Nachdem Truppen des neuen islamistischen Regimes in Syrien große Teile Nordostsyriens unter ihre Kontrolle gebracht haben, sind nicht nur die dort lebenden Kurden und andere Minderheiten tödlich bedroht, sondern auch Yeziden in der benachbarten Sinjar-Region (Shingal) im Nordwesten des Iraks, warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).

„In Telefongesprächen mit Yeziden aus der Region wurde uns immer wieder die Sorge vor möglichen Angriffen sunnitischer Islamisten geschildert. Die Yeziden haben große Angst, denn ihre Gemeinschaft war bereits 2014 Opfer eines Völkermordes durch den IS“, berichtete der Nahost-Referent der GfbV, Kamal Sido, heute in Göttingen.

Anführer und Angehörige vieler arabisch-sunnitischer Stämme, die 2014 mit dem „Islamischen Staat” (IS) sympathisiert oder diesen sogar bei den Angriffen auf die yezidische Gemeinschaft unterstützt haben, gelten bei den aktuellen Angriffen auf Kurden in Syrien als Speerspitze der neuen islamistischen Regierung in Syrien. Die Truppen des neuen islamistischen Regimes in Damaskus bestehen zu etwa 75 Prozent aus ehemaligen IS-Mitgliedern, al-Qaida-Kämpfern oder anderen radikalen sunnitischen Islamisten. Zudem konnten sich Tausende IS-Kämpfer aus Gefängnissen im Nordosten Syriens befreien oder wurden vom neuen syrischen Regime freigelassen.

„Werden diese radikalen, arabisch-sunnitischen Islamisten wieder in die Sinjar-Region einfallen? Wird die irakische Armee zusammen mit anderen miteinander konkurrierenden lokalen Verbänden großangelegten Angriffen der sunnitischen Islamisten standhalten? Viele Yeziden befürchten angesichts der aktuellen Entwicklungen, dass sich die Geschichte wiederholt“, sagt der GfbV-Nahostreferent Sido.

„Weder die NATO noch die USA scheinen bereit zu sein, die yezidische Bevölkerung zu schützen, denn sie sehen in arabisch-sunnitischen Islamisten, insbesondere im neuen Regime in Damaskus, offenbar die besten Verbündeten“, so Sido. „Viele Yeziden und Angehörige anderer Minderheiten sind empört, dass die Trump-Administration, viele deutsche Politiker und Medien die sunnitischen Islamisten, die in Syrien die Macht übernommen haben, verharmlosen, mit ihnen sympathisieren oder sie sogar unterstützen“, sagt der Menschenrechtler, der zuletzt 2023 das Sinjar-Gebiet bereiste und im ständigen Kontakt mit den Menschen vor Ort steht.

Vor fast genau zwei Jahren, am 19. Januar 2023, erkannte der Deutsche Bundestag die Verbrechen des IS an den Yeziden als Völkermord an. „Wir fordern die Abgeordneten, die sich damals für die Anerkennung stark gemacht haben, auf, sich an die Seite der Yeziden und anderer Minderheiten zu stellen“, sagt Sido.

Unterstützt von zahlreichen sunnitischen Stämmen, überfiel der IS im August 2014 die yezidische Gemeinschaft im nordirakischen Sinjar, um sie auszulöschen. Dabei wurden mindestens 5.000 Menschen ermordet. Zudem wurden etwa 7.000 Frauen und Mädchen in die Sklaverei verschleppt. 2.000 von ihnen gelten bis heute als vermisst. Hunderttausende Yeziden mussten fliehen. Schätzungen der GfbV zufolge sind etwa 200.000 Yeziden, die den Völkermord überlebt haben, in ihre Heimat, die Sinjar-Region, zurückgekehrt. Etwa 300.000 weitere Yeziden aus Sinjar leben immer noch in Irakisch-Kurdistan, wo sie 2014 vor dem IS Zuflucht gefunden haben.