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Tibet im Exil: Identität und Resilienz eines Volkes

Gesichter und Stimmen des tibetischen Exils. Foto von Paola Marcello

Die Gesellschaft für bedrohte Völker präsentiert

Tibet im Exil

Identität und Resilienz eines Volkes

Von Paola Marcello und Luca Chisté

26. Januar – 6. Februar 2026

UNIBZ, Universitätsplatz 1, 1. Stock, Bozen

Das Fotoprojekt widmet sich der Realität und der Situation des tibetischen Volkes im Exil, das 1959 mit der chinesischen Invasion in Tibet begann. Es taucht ein in die bewegende Erfahrung der tibetischen Exilanten, einer Gemeinschaft, die täglich mit der harten Realität des Lebens fern ihrer Heimat konfrontiert ist. Anhand ihrer Porträts und Geschichten, die sie in den tibetischen Gemeinschaften in Indien und Nepal gesammelt hat, versucht die Fotografin, denen eine Stimme zu geben, die die Last eines aufgezwungenen Exils tragen, und erkundet die Schwierigkeiten und Hoffnungen eines Lebens in einer fremden Umgebung.

Gesichter und Stimmen des tibetischen Exils. Foto von Paola Marcello

DIE TIBETISCHE FRAGE
Günther Cologna, Eurac Research, Bozen – Verein Italia-Tibet

Als der Dalai Lama im März 1959 nach dem Aufstand in Lhasa, bei dem Zehntausende Tibeter ums Leben kamen, beschloss, sein Land zu verlassen und in Indien Zuflucht zu suchen, folgten ihm etwa hunderttausend weitere Tibeter. Die tibetischen Flüchtlinge ließen sich in kleinen Gemeinschaften in Nepal und Nordindien am Fuße des Himalaya sowie in größeren Siedlungen in Südindien im Bundesstaat Karnataka nieder. Dort errichteten sie Dörfer, Schulen und Klöster, um ihre Traditionen, ihre Sprache und ihre Religion zu bewahren und für künftige Generationen zu erhalten.

Da er nicht wusste, wie lange das Exil dauern würde, machte sich der Dalai Lama sofort daran, die Regierung der tibetischen Gesellschaft zu modernisieren, indem er eine Verfassung und ein Exilparlament einführte und im Laufe der Jahre die beiden Rollen des religiösen und politischen Führers trennte, wobei er letztere einer demokratisch gewählten Persönlichkeit überließ.

Mit seinen Wurzeln im Buddhismus und inspiriert vom gewaltfreien Kampf Mahatma Gandhis, der Indien in die Unabhängigkeit führte, entwickelte der Dalai Lama im Laufe der Jahre einen Vorschlag für eine friedliche Lösung der Tibet-Frage, der unter anderem von der Autonomie Südtirols inspiriert war. Er zeigte nicht nur einen Weg für das Zusammenleben von Tibetern und Chinesen innerhalb der Volksrepublik auf, sondern brachte der gesamten Menschheit eine Botschaft, wie man in Frieden mit sich selbst, mit anderen und mit der Welt, die uns umgibt und nährt, leben kann. China ignoriert diese auf eigene Gefahr und hat alles getan, damit sie in der Welt nicht gehört wird. Das tibetische Volk trägt diese Botschaft und diese Werte in sich, wie wir an den Blicken der Menschen auf den wunderschönen Fotos von Paola Marcello sehen können. Mögen sie auch uns inspirieren!

DIE VERGESSENEN
Die Fotografin Paola Marcello holt mit ihren Bildern die Exil-Tibeter:innen an die Öffentlichkeit
Wolfgang Mayr, Gesellschaft für bedrohte Völker Bozen

Wer spricht heute noch vom – seit 1959 – chinesisch besetzten Tibet? In Tibet hat das kommunistische Regime unter nationalistischem Banner neue Realitäten geschaffen. Han-Chinesen – mit allen „Siedler“-Privilegien ausgestattet – stellen in Tibet die Mehrheit. Reinhold Messner kommt zum Schluss, Tibet ist „befriedet“. Das Herz Tibets ist die Basis der „Autonomen Region“, eine irreführende Etikette für eine zu plündernde interne Kolonie, der restliche tibetische Kulturraum gehört anderen Provinzen an.

Der kommunistische Staat hat die ehemalige Kolonie in einen Hinterhof verwandelt, der gnadenlos ausgeplündert wird. Tibet ist das Modell, dem die Volksrepublik China folgt, um Ostturkestan, Xinjiang, zu zerstören. Auch dort zieht das Regime eine erfolgreiche Politik der Entnationalisierung und Assimilierung durch.
Während im Fall Ost-Turkestan immer wieder negative Schlagzeilen auftauchen, ist Tibet kein Thema mehr. Der vor Kraft strotzenden Wirtschafts- und Militärmacht China ist es gelungen, das unbequeme Tibet loszuwerden, aus der Öffentlichkeit zu tilgen.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1968 engagiert sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) für Tibet, oft in Zusammenarbeit mit Free Tibet. Die GfbV stellt tibetischen Vertreter:innen trotz heftigen Widerstands seitens Chinas wiederholt ihren Sitz und ihre Stimme im UN-Menschenrechtsrat zur Verfügung.

Der Dalai Lama und Mitglieder der tibetischen Exil-Regierung nutzten Plattformen der GfbV, um auf Tibet aufmerksam zu machen, aber auch auf das Leben der vielen geflüchteten Tibet:innen im Exil. Wer spricht über Tibet im Exil?

Die Fotografin Paola Marcello lässt ihre Fotos „sprechen”. Sie besuchte Dharamsala, das politische und kulturelle Zentrum des tibetischen Exils in Indien, das unter schwierigen Umständen versucht, tibetische Anliegen zu vertreten. Die Chancen sind gering, der „globale Süden“ verweigert Tibet die Solidarität, steht fest verbündet an der Seite des chinesischen Superstaates.

Bis zu 200.000 Tibeter:innen leben im Exil, in Nepal, in Indien, in Europa, in Nordamerika, in Australien. Auch diese Geflüchteten und ihre Nachfahren haben keine Stimme im politischen Chor, sie werden deshalb auch nicht gehört. Außer wenn eine Fotografin ihre Kamera auf die Vergessenen richtet, auf die aus der Zeit Gefallenen.

Zwischen Südtirol und den Exil-Tibeter:innen besteht ein reger Gedankenaustausch, der 1993 von Landeshauptmann Luis Durnwalder ins Leben gerufen und von seinem Nachfolger Arno Kompatscher fortgesetzt wurde.

Die Fotografin Paola Marcello hat Mitglieder der exiltibetischen Community in Nepal und in Dharamsala porträtiert, ihre Gesichter erzählen Geschichten vom Leben im Exil.

INTERVEWS

Gesichter und Stimmen des tibetischen Exils. Foto von Paola Marcello

Ich heiße K.S., im Leben bin ich Maler, und in diesem künstlerischen Ausdruck finde ich meinen Rückzugsort und meinen Trost

Die künstlerische Tätigkeit gibt mir die Möglichkeit und die Freiheit, meine innere Weit auszudrücken, und ich kann sagen, dass sie mich immer beschützt und gerettet hat.

Leider kann ich die Realität um mich herum, die Realität meines Lebens, die Realität meines Landes nicht akzeptieren: Ich empfinde Abneigung. Es gibt viele ungelöste Probleme in mir und außerhalb von mit, und es ist wirklich schwierig. sie allein zu bewältigen. Deshalb versuche ich, die Traumata meiner Kindheit durch Malen zu heilen, und manchmal finde ich in einem Bild Antworten auf meine Fragen.

Hier in Indien sind wir „staatenlos“, wir haben kein Recht, nach Tibet zurückzukehren, Beziehungen aufzubauen, und wir können kein Stück Land besitzen. Diese Gründe des Leidens vereinen uns im Weiterführen der tibetischen Sache sodass wir uns auch im Exil nicht davon trennen können.

Ich finde, dass es in der modernen Welt keine Gerechtigkeit gibt: China besitzt eine absolute Macht, die viele Nationen korrumpieren kann, und es ist so mächtig geworden, weil wir alle von ihm abhängig sind. Wir tibetischen Buddhisten führen einen gewaltfreien Kampf, ohne Waffen. Ich glaube, dass die Geschichte des Überlebens meines Volkes die Geschichte des Überlebens der Menschheit enthält.

Ein Projekt der Gesellschaft für bedrohte Völker in Zusammenarbeit mit Eurac – Unter der Schirmherrschaft von UNIBZ – Mit Unterstützung der Provinz Bozen, Amt für Freiwilligenwesen und Solidarität